05/08/2026 0 Kommentare
Andacht für September - November 2026
Andacht für September - November 2026
# Andacht

Andacht für September - November 2026
Liebe Gemeindeglieder,
es ist September, und der Urlaub ist vorbei. Die Taschen sind noch nicht ganz ausgepackt, da wartet schon wieder die Wäsche, und die Termine stehen schon im Kalender. Und das Gefühl von Erholung ist teilweise schon wieder verschwunden. Eigentlich wollte ich es dieses Mal anders machen. Nicht sofort wieder alles vollpacken, sondern mit mehr Ruhe starten und Zeit haben. Aber der Alltag wartet nicht.
Gerade der September ist für viele Menschen ein Monat, in dem wieder vieles beginnt: Kindergarten und Schule starten, Gruppen nehmen ihre Arbeit wieder auf, auf der Arbeit geht es nach der Sommerzeit wieder richtig los. Schnell geraten wir wieder in das gleiche Hamsterrad: organisieren, erledigen, planen und schaffen. Und das ging scheinbar den Menschen schon immer so. Es zieht sich seit Jahrtausenden durch Generationen hindurch. Denn schon der Verfasser des Koheletbuches im Alten Testament kennt diese menschliche Anstrengung sehr gut. „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Kohelet 4,6) Er beschreibt darin an einer Stelle die Suche nach immer „mehr“: mehr Erfolg, mehr Besitz, mehr Anerkennung.
Und diese Suche nach „mehr“ ist wie ein „Haschen nach Wind“. Eine aussichtslose Sache, bei der man nie ans Ziel kommt, weil man es nie festhalten kann. Die Hände bleiben am Ende leer, auch wenn man sich noch so sehr bemüht hat. Und dagegen stellt Kohelet ein anderes Bild: eine Hand voll Ruhe. Nicht beide Arme voll, fast schon überladen. Nein, nur eine Hand voll.
Ein kleiner Moment, ein Stückchen Zeit zum Atem holen. Wir müssen nicht immer drei Wochen Urlaub haben, um Ruhe zu finden. Es beginnt mit kleinen Unterbrechungen. Mit einem Spaziergang, bei dem wir nicht gleichzeitig telefonieren. Mit einer Tasse Kaffee, die wir wirklich in Ruhe trinken. Mit einem Gebet, in dem wir nicht nur unsere Anliegen vor Gott bringen, sondern auch einfach still werden.
Denn Ruhe ist nicht nur die Abwesenheit von Arbeit. Ruhe ist ein Geschenk Gottes. Sie erinnert uns daran, dass unser Wert nicht davon abhängt, wie viel wir leisten, wie viele Aufgaben wir erledigen oder wie gut wir alles im Griff haben. Nehmen wir den Monatsspruch als Einladung an: Nicht immer noch mehr festhalten zu wollen. Nicht mit beiden Fäusten nach Dingen greifen, die wir doch nicht behalten können. Sondern eine Hand zu öffnen, um das anzunehmen, was Gott uns schenkt: eine Hand voll Ruhe.
Ihre Pfarrerin Denise Hagemann
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